Herbert Kivelitz, Kioskbesitzer, im Interview

//Herbert Kivelitz, Kioskbesitzer, im Interview

Herbert Kivelitz, Kioskbesitzer:
„Linden ist zurzeit im Trend. Das war allerdings nicht immer so.”

Herr Kivelitz, seit über 40 Jahren kennen die Lindener Sie hinter dem Tresen Ihres Geschäfts für Tabak- und Schreibwaren in der Posthornstraße. Sie sind doch privat bestimmt auch Lindener, oder?
Nein – zumindest wohne ich nicht in Linden, sondern etwas außerhalb von Hannover. Doch wenn man es zusammenrechnet, habe ich an keinem Ort der Welt so viel Zeit verbracht wie hier. Jeden Tag von 7 bis 19 Uhr – da kommt schon was zusammen.

Verraten Sie uns, wo Sie sich in Linden am liebsten aufhalten?
Da fallen mir gleich zwei Orte ein. Einmal sonnabends der Wochenmarkt. Da erledige ich immer meinen Einkauf für die kommende Woche. Fleisch, Wurst und andere frische Dinge. Und dann das Café Mönikes in der Falkenstraße, in dem ich schon seit Jahrzehnten jeden Mittag zum Essen gehe. Ich sitze da immer gleich vorne an der ersten Säule und habe einen Panoramablick über all die Menschen, die rein- und rausgehen. Das Essen dort ist hervorragend. Und – wo findet man denn heute noch deutsche Hausmannskost? Spinat mit Ei oder Kohlrabigemüse mit Mettbällchen. Das ist mittlerweile tatsächlich eine Rarität geworden.

Einen ähnlichen Wandel wie in der Gastronomie gibt es ja auch im Handel – weg vom Geschäft und hin zum Internetverkauf. Wie stehen Sie als alteingesessener Kaufmann dazu?
„Handel ist Wandel“ – das ist ja normal. Letztlich entscheidet der Kunde, wie es läuft. Und wenn alle nur noch online einkaufen, dann werden eben auch die letzten Geschäfte irgendwann verschwinden. Da werden sich die Kunden dann mit abfinden müssen. Und alles gibt es im Internet dann doch eben nicht. „Wie finde ich denn von hier aus die Niemeyerstraße? Was kostet eine Fahrkarte nach Empelde?“, das kann selbst Google nicht ohne Weiteres beantworten.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung Lindens insgesamt?
Linden ist ja zurzeit im Trend und im Aufwind. Das war nicht immer so. Und dadurch tut sich natürlich auch auf dem Wohnungsmarkt so einiges. Ich vermiete selber auch Wohnungen. Aber ich frage Sie – wo soll billiger Wohnraum denn herkommen? Die Alteingesessenen, die seit Jahrzehnten in ihrer Wohnung wohnen, haben natürlich noch andere Mieten – aber vielleicht auch keine Toilette in der Wohnung. Und wenn dort dann ein Wechsel stattfindet, muss vorher was gemacht werden und die Miete steigt.

2016-12-09T16:54:35+00:00 09.12.2016|Stadtteil Linden|